Persönlichkeiten der Stadt

Übersicht bedeutender Persönlichkeiten

Verschiedene Persönlichkeiten haben Ihre Wurzeln auf dem Kleinen Heuberg oder sind mit ihm im Besonderen verbunden.

Christian Friedrich Schmid

Christian Friedrich Schmid geboren am 25. Mai 1794 zu Bickelsberg OA. Sulz (Württemberg), gestorben als Professor der evangelischen Theologie am 28. März 1852 in Tübingen, schlug die Laufbahn des Vaters ein, welcher als Dekan in Böblingen starb, und wurde ebenfalls Theologe. Sein Vater war der 24. Pfarrer in Bickelsberg.

Er war Zögling der niederen evangelischen Seminare Denkendorf und Maulbronn, später des höheren Seminars in Tübingen. Nach vollendeter Studienzeit und einjährigem Vikariat in Kirchberg AO. Marbach wurde der begabte und kenntnisreiche junge Mann, der als Repetent nach Tübingen gekommen war, 1819 zunächst provisorisch mit der Besorgung der praktischen Fächer des durch Bahnmaier's Versetzung erledigten theologischen Lehrstuhls und mit der Leitung des kurz vorher neu eingerichteten Predigerinstituts betraut. 1821 wurde er zum außerordentlichen Professor der Theologie ernannt, 1826 zum ordentlichen und in demselben Jahre von seiner Fakultät mit der Doktorwürde honoris causa beehrt. Äußerlich einfach und gleichmäßig, aber in reicher gesegneter Wirksamkeit, mit steigendem Einfluss und Erfolg, floss sein Leben dahin. Dreimal wurde ihm die Führung des Universitäts-Rektorats anvertraut, 1840 wurde er in die Vertrauens-Kommission für die Festsetzung einer neuen Liturgie berufen, 1841 zum Superattendent in die Mitleitung des evangelischen Seminars erwählt, 1835 setzte er eine wesentliche Erweiterung des Predigerinstituts durch, 1848 nahm er an den Beratungen für die Verfassung der evangelischen Kirche teil. Seine Vorlesungen umfassten neben Ethik und den ihm zugewiesenen praktischen Fächern (Homiletik, Katechetik, Didaktik, Pädagogik, Anleitung zur homiletischen Bearbeitung der Perikopen) die Erklärung der Paulinischen Briefe, besonders des Römerbriefes, Symbolik und Erklärung der symbolischen Bücher, besonders aber die Darstellung der Lehre der Evangelisten und der Apostel (neutestamentliche Theologie), einige Mal hielt er öffentliche Vorträge über Religion und Christentum für Studierende aller Fakultäten; ebenso beteiligte er sich mit seinen Kollegen an einer "theologischen Societät" (1823), welche aber keine große Bedeutung gewann.

Schmid war als Studierender von dem Supranaturalismus, wie ihn Flatt und Bengel lehrten, beeinflusst, aber seine selbständige, allem Einseitigen abgeneigte Natur verschloss sich den Einwirkungen von Schleiermacher und von seinem Kollegen Baur nicht, eigenartig bildete er seinen theologischen Standpunkt weiter, wie sich derselbe in der historischgenetischen Auffassung des Christentums, die seine neutestamentliche Theologie zeigt, am deutlichsten zu erkennen gibt. In seltener Weise vereinigte er praktische Tüchtigkeit und Gewandtheit mit wissenschaftlicher Tiefe; durch seine weitgehenden Kenntnisse, welche sich auch über die ästhetischen Gebiete erstreckten, durch seine feine Schriftauslegung, durch den Ernst, mit welchem er die Lebenskraft des Christentums zeigte und hervorhob, durch seine ganze charaktervolle und doch milde Persönlichkeit war er vorzüglich dazu geeignet, seine Schüler und Zuhörer ebenso zu streng wissenschaftlichen Studien anzuregen, als sie für die spätere Laufbahn des Predigers vorzubilden. Trotzdem dass er selbst kein Muster der Kanzelberedsamkeit war und dass in seinen Vorlesungen manchfache Ungleichheit waltete, war er doch für ganze Generationen württembergischer Geistlicher Leiter und Führer; in der Zeit, da der herrschende Geist unter der Tübinger Studentenwelt der Hegel'sche war, bildete er mit seinen positiven, aber keineswegs engherzigen Anschauungen einen Damm gegen eine Überflutung dieses Standpunktes; verehrt von unzähligen Studierenden, hochgeehrt von seinen Kollegen in und außerhalb seiner Fakultät, ein gern gesuchter Berater Vieler, freundlich gegen Jedermann, war er eine Zierde der Tübinger Universität in jener Zeit; der Einfluss, welchen sie auf die Entwicklung des Protestantismus in Deutschland überhaupt ausübte, beruhte wesentlich auch darauf, dass neben Baur und Beck auch Schmid und Landerer zu der theologischen Fakultät gehörten.

Seine letzten Lebensjahre waren durch manches Unwohlsein getrübt. Am 28. März 1852 starb er infolge eines Herzleidens. Seiner Ehe mit Sophie Friederike Ferdinande Weckherlin waren ein Sohn und zwei Töchter entstammt. — Schriftstellerisch war Schmid nie sehr tätig; seine beiden Hauptwerke: "Biblische Theologie des neuen Testaments" und "Christliche Sittenlehre" wurden erst nach seinem Tode herausgegeben. Das erste 1853 von C. Weizsäcker, seitdem öfters aufgelegt, das andere 1861 von A. Heller. Von Programmen gab er heraus: "Observationes pertinentes ad naturam peccati I—III", 1826—1828; "De Paulinae ad Romanos epistolae consilio et argumento", 1830. "Quaeritur, quatenus ex ecclesiae evangelicae principiis existere possit doctrinae christianae scientia", 1831. "De notione legis in theologia Christanorum morali", 1832. "Apologiae litterarum ad Romanos Paulinarum fragmenta", 1834.

Von seinen Abhandlungen in der Tübinger Zeitschrift für Theologie, deren Mitherausgeber er war, ist hervorzuheben die im J. 1838 erschienene: "Über das Interesse und den Stand der biblischen Theologie des neuen Testaments in unserer Zeit". Im Verein mit W. Hofacker gab er eine Predigtsammlung heraus: "Zeugnisse evangelischer Wahrheit" I—III, 1839—1841.


Quelle: www.deutsche-biographie.de/sfz78604.html