Sehenswürdigkeiten

Steinköpfe Bickelsberg

Steinköpfe im Verborgenen - oder der besiegte Liebeskummer.

Geheimnisvoll hört sich das Rauschen der Bickelsberger Wälder an, die in östlicher und nördlicher Richtung vorwiegend in einem weitreichenden zusammenhängenden Landschafts- und Naturschutzgebiet liegen. Sie möchten uns Zeitgenossen wohl so manches mitteilen von dem was sie wohl schon erlebt haben, würde der Mensch von heute doch nur die Botschaft verstehen, die da rauschend an sein Ohr tritt.

Fast vergessen befinden sich auch östlich von Bickelsberg fünf Köpfe in die Sandsteinfelsen gehauen. Sie befinden sich schon lange nahezu einhundert Jahre dort und üppiger Moosbewuchs lässt sie nicht ganz leicht auffindbar machen.

Generationen von Bickelsberger Buben haben in dem unwegsamen Gelände ihre Spiele ausgetragen und sich in ihrer Fantasie ausgetobt. Doch was hatte es auf sich mit diesen Steinköpfen, die da aus dem steilabfallenden Gelände heraus starren zwischen Moos- und Grasbewuchs hindurch zum Mitteltalbach hinunter.

Die Ältesten im Dorf kennen noch die Überlieferung, dass einem Bickelsberger Pfarrersohn die verborgenen Kunstwerke im Gewann „ Löchle“ zu verdanken sind. Er hatte wohl niemanden, dem er seinen Schmerz um die eben erst verschmähte Liebe eines von ihm verehrten Mädchens anvertrauen konnte. Und so mag er wohl losgezogen sein mit entsprechendem Werkzeug unter der Kleidung verstaut, an diesen Ort im großen Bickelsberger Wald um seine Leidensgeschichte nach einer großen Liebe aufzuarbeiten. Hoch über dem rauschenden Mitteltalbach in sicherlich unbequemer Haltung ging er ans Werk. Kniend oder kauernd, manchmal auch stehend wollte er nur das Antlitz des Mädchens auf diese Weise verewigen. Niemand hat ihn an diesem verborgenen Ort wahrgenommen als er mit Hammer und Meisel den Sandstein bearbeitete und dabei mit den Spechten um die Wette hämmerte, die sich an so manchem Baum in diesem Bereich schon zu schaffen machten. Hier war er mit seinem Kummer allein. Stets das Gesicht seiner Angebeteten vor Augen meißelte er Gesichter in den Stein. Geweinte Tränen aus Liebeskummer haben sicher immer wieder sein Werkzeug befeuchtet. Mindestens fünf Köpfe sind auf diese Weise im Wald im „Bickelsberger Löchle „entstanden, die der Nachwelt erhalten blieben, obwohl den Namen des Pfarrersohnes auch die ältesten Bickelsberger Einwohner nicht mehr kennen. Die Werke des Künstlers haben also ihn und seinen Liebeskummer überdauert. Nicht jeder Spaziergänger wird jedoch Erfolg haben bei der Suche nach den Steinköpfen. Zu verborgen und an äußerst schwer zugänglichen Plätzen zeugen sie von dem Wirken des Jünglings.

Doch die wunderbare fast unberührte Natur mit seltenen Pflanzen ist schon einen Spaziergang in den Bickelsberger Wald wert, der noch weitere Besonderheiten für echte Naturfreunde in sich hat, die dem Lärm unserer hektischen Zeit für einige Stunden entrinnen möchten. Als wäre die Zeit endgültig hier in diesem Bickelsberger „Löchle“ stehen geblieben starren sie vor sich hin als stumme Zeugen einer bescheidenen Geschichte. Fest steht, dass so mancher Bickelsberger Bub in den zurückliegenden Jahrzehnten gerade hier seine Mutproben bestand und diese wilde Umgebung die Kulisse für schaurig schöne Kindheitserinnerungen und Faszinationen bis heute ihren Reiz nicht verloren hat. In den Zeiten als die Kinder hierzulande noch eine sehr enge und unbelastete Verbundenheit zur Natur pflegten, waren solche Orte eine Art Spielplatz der männlichen Dorfjugend bis zur Schulentlassung. So erzählten unlängst auch einige Männer, die längst Großväter sind, wie sie als Buben im Konfirmandenalter ihre Schafe mit ins Löchle nahmen, wo diese etwas zu fressen finden sollten. So lange die Schafe sich an dem jungen Grün bedienten, versuchten ihre jugendlichen Hüter abgedorrtes Gras anzuzünden. O je, da hatten plötzlich die Buben Mühe das lichterloh sich entfachende Feuer zu löschen. Glücklich darüber, dass sie den Brand überhaupt löschen konnten, erreichten sie das Dorf wieder. Doch ein Blick auf die Kirchturmuhr heizte ihnen erneut Furcht und Schrecken ein. Dieweil sie unter größter Anstrengung den Wald löschten, fand im Pfarrhaus der Konfirmandenunterricht statt, den sie nun verpasst hatten. Beim Dorfpfarrer dürfte angesichts dieser Geschichte keine Freude aufgekommen sein, was sogar eine Abkündigung des Vorkommnisses im darauf folgenden Sonntagsgottesdienst mit der Nennung der Namen dieser Übeltäter zur Folge gehabt haben könnte. Auch in den Elternhäusern wird man wohl über diese Sache nicht nur diskutiert haben. Mutige Mütter holten schon auch mal ihre kleineren Buben aus diesem wilden Waldgebiet ab und trieben sie mit Schimpfworten energisch nach Hause. Während der unheilvollen Zeit des Zweiten Weltkrieges entstand unter Anleitung von Vertretern der damaligen Politik auch ein Schießstand im Gewann Löchle. Hier sollte die Jugend des Dorfes zu tüchtigen Kriegern erzogen werden. Lange erinnerte eine Mauer unweit der Steinköpfe noch an dieses Kapitel brauner Geschichte in der Nähe der Steinköpfe. Doch glücklicherweise musste die Mauer dem Waldwegebau weichen und nichts erinnert mehr an diesen Schießstand. Doch ein einziger Steinkopf ist im Lauf der Geschichte mit einem Hakenkreuz versehen worden. Bevor Fernseher und Computer zur Kinderzimmereinrichtung gehörten und die Dorfstraßen noch nicht alle geteert waren, tobten sich die Dorfbuben im Wald bei den Steinköpfen aus. In jüngster Zeit ist es eher ruhig geworden um diese Steinköpfe, die als stumme Zeugen der Vergangenheit über dem rauschenden Bach in die tiefe Schlucht hinein träumen.

Spaziergänger kommen zwar sonntags auf dem Durchweg gut angelegten Bickelsberger Waldwegenetz vorbei. Sie ahnen wenig von den Steinköpfen und sind dann meist auf dem Weg zum Erichsee, der vor einigen Jahren als Biotop angelegt wurde.

Hermine Kipp, Bickelsberg

Steinkopf in Bickelsberg

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