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Moste in Bickelsberg

Vom Bickelsberger Streuobst - Veränderungen seiner Verwendung im Lauf der Jahrhunderte

Rings um die Gemeinde Bickelsberg war in früheren Zeiten ein Streuobstwiesengürtel anzutreffen, der erst durch die Schaffung der Wohnbaugebiete durchbrochen wurde. Es wurden die verschiedensten Apfel- und Birnensorten angetroffen. Dabei handelte es sich meist um so genannte Lokalsorten. Doch auch Zwetschgen und Kirschen wuchsen schon zu frühen Zeiten um den auf der Hochfläche des Kleinen Heubergs gelegenen Ort.

Das Obst fand mancherlei Verwendung in den früher doch recht großen Familien.
Die Kirschen waren in der Sommerzeit eine leckere Erfrischung. Auch wurden sie eingedünstet und z u Marmelade verarbeitet als Vorrat für die lange Winterzeit. Zwetschgen galten als die leckere Herbstfrucht, aus denen ebenfalls Marmelade hergestellt wurde. Nicht selten saßen die Frauen halbe Nächte in ihren einst rußgeschwärzten Küchen und kochten in großen Messingpfannen die Zwetschgenmarmelade, die dann als Brotaufstrich für die vielen Mäuler diente, die täglich zu stopfen waren. Eine besondere Bedeutung hatte damals noch die Herstellung von Dörrobst. Auch hier halten die Zwetschgen als besonders lecker.
Wochenlang war das Einbringen des Obstes eine anstrengende Beschäftigung der Bauersfamilien. Obst, das als Wintervorrat in Kisten in den Keller kam, musste am Baum schonend gepflückt werden, damit es unversehrt eingelagert werden konnte. Man sprach vom so genannten Brechobst.
Doch auch das dörren als Möglichkeit zum Haltbarmachen hatte größte Bedeutung. So zog im Herbst dann auch herrlicher Duft aus der Richtung der Backöfen durch das Dorf. Doch gerade diese Haltbarmachung verlangte sehr viel Umsicht und Gefühl für die richtige Temperatur. War es zu heiß, quoll das Dörrgut auf und wurde außen hart und oftmals schwarz und war sodann ungenießbar. Die köstlichste Verwendung des Dörrobstes war die Verarbeitung zu Hutzelbrot zu Weihnachten.

So ist in den Briefen des weithin bekannten Pfarrers Johann Friedrich Flattich an verschiedene Familienmitglieder auch von einem Magister Schmid zu lesen, der im Jahr 1786 als Vikar in Bickelsberg wirkte und zusammen mit seinem Schultheißen einen Besuch bei Flattich machte. Der Schultheiß soll sodann von seiner Gemeinde berichtet haben, in der sein Vater schon und sein Großvater Schultheißen waren. Er rühmte seine Gemeinde dahingehend, dass es dort still und ruhig zugehe und sich dort auch kein Bettelvolk herumtreibe. Auch sei in Bickelsberg noch kein „ Gant“ * vorgekommen. Die Ursache für dieses vorbildliche und vielleicht auch gottgefällig beabsichtige Verhalten sah der Schultheiß darin, dass in seinem Dorf kein Wein ausgeschenkt werden darf. So durfte auch kein Most hergestellt werden und es musste auf Alkohol verzichtet werden. Aus diesem Grunde bleibe alles sehr arbeitsam und ordentlich und die Leute seien sehr stark und gesund. Auch im Jahr 1786 habe es eine reiche Ernste von allerlei Sorten Obst gegeben, das wiederum nicht zu Most verarbeitet wurde sondern gedörrt. Man habe keinen Mangel an Holz. Somit konnte man sich das aufwändige dörren leisten.

Natürlich hat sich in den weiteren Jahrhunderten viel verändert. Sehr wohl wird heute Most zubereitet. Immer noch ernten die Einwohner in Bickelsberg oftmals mit schmerzgekümmten Rücken ihr Obst, wenn auch manches unter den Bäumen ungeerntet der Verrottung ausgesetzt ist. Am Ort befindet sich schon seit gut drei Jahrzehnten eine moderne Mosterei, die einzige noch auf dem Kleinen Heuberg. Dort können die Obstanlieferer auch Rat und Hilfe holen, wenn es um die Behandlung des Mostes und des gewonnenen Saftes geht. Sie können aber auch sich den Wert des angelieferten Obstes gutschreiben lassen und während der Wintermonate ihren Saft so abholen, wie es für sie passend ist. Die Gewinnung von Gärmost hat längst nicht mehr die Bedeutung wie etwa noch vor einem halben Jahrhundert.

Auch wird ein Teil des Obstes zu Schnaps verarbeitet. Kirschen und Zwetschgen werden dazu in Fässern eingeschlagen und nach einigen Monaten in die örtliche Schnapsbrennerei gebracht. Ähnliches passiert auch mit etlichen Birnensorten. Auch übriger Gärmost wird oft zu Schnaps verarbeitet.

Die Freude über eine reiche Obsternte kam aber auch in früheren Jahren zur so genannten „ Kirbe“ zur Geltung. Zum Kirchweihsonntag am dritten Sonntag im Oktober wurden Kirbekuchen gebacken. Diese bestanden fast ausschließlich aus einem gesüßten Hefeteig mit einem Belag aus Äpfeln, selten auch Birnen sowie Zwetschgen mit einem Guss aus Eiern, Rahm und Zucker verfeinert und mit Zimt gewürzt. Es gab Familien die zwanzig und mehr solcher köstlichen Erzeugnisse gebacken haben. Die Nachbarn, Freunde und Verwandte tauschten gegenseitig oft auch ihre Kirbekuchen aus. Tatsache aber war, dass sich die Menschen über das geerntete Obst als einen Reichtum besonderer Art freuten. So war auch die Kirbe ein fröhliches Fest und ein hoher Festtag, an dem man sich besonders auch des reichen Segens der Obstwiesen erfreute.

Ein alter Mundartreim machte auch scherzend die Runde:
„Heut isch Kirbe,
moarn isch Kirbe
bis am Mittwochobad, ond wenn i zu meim Schätzle komm, no sag i Gottanobad.“

Ein Teil des Streuobstwiesenmantels um Bickelsberg ist noch erhalten, auch wenn sich die Verwendung im Lauf der Jahrhunderte gewaltig gewandelt hat. Doch erfreuen diese Streuobstwiesen wie etwa im Bickelsberger Tal oder an der Häsel und in der Waldreute von der Baumblüte im Frühjahr bis in den Herbst auch so manchen Wanderer, der Ruhe und Erholung in der noch gut erhaltenen Natur in Bickelsberg findet.

Apfelanlieferung bei der Mosterei Rauch

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